
Mit einer kleinen Ausstellung der Ereignisse aus den vergangenen 25 Jahren des Mittwoch-Treffs der Gehörlosen in Fulda wurde die Jubiläums-Feier im Caritas-Treffpunkt Kanalstraße begonnen. Zu jedem Jahr wurde eine Seite gestaltet, die dann einer Wäscheleine quer durch den Raum auf gehangen wurde. Die Besucher hatten Spaß daran, sich auf den alten Fotos zu erkennen und sich an die besonde-ren Veranstaltungen im Gehörlosen-Treff zu erinnern
Begrüßung durch Geschäftsführer Herr ReuterCaritas
Zur Feierstunde begrüßte der Geschäftsführer des regionalen Caritasverbandes Herr Christian Reuter neben den ca. 70 gehörlosen Besuchern, Stadtrat Stefan Grauel, der in Vertretung von Herrn Oberbürgermeister Gerhardt Möller gekommen ist, den Diözesan-Gehörlosen-Seelsorger Msgr. Michael Frhr. v. Lüninck und den zuständigen Dipl.-Sozialarbeiter Werner Althaus, der die Ansprache in Gebärdensprache gedolmetscht hat. Pfarrerin Melanie Keller Stenzel musste sich kurzfristig entschuldigen. Christian Reuter wies in seiner Begrüßungsansprache darauf hin, wie schnell 25 Jahre vergehen. Umso schneller vergeht die Zeit, je angenehmer und schöner diese Zeit gestaltet wird. Er erlebte erstmals den Mittwochs-Treff der Gehörlosen und war von der guten Stimmung und den anregenden Gesprächen angetan. "Ja", meinte der Geschäftsführer, "in dieser angenehmen Atmosphäre vergeht die Zeit rasend schnell; kein Wunder, dass sie jetzt schon das 25 jährige Jubiläum feiern.
Gebärden-Dolmetscher Werner AlthausCaritas
Anschließend erzählte Werner Althaus, wie sich 1990 eine kleine Gruppe von Verantwortlichen aus dem Katholischen Gehörlosenverein St. Bonifatius und dem Caritas-Sozialdienst für Gehörlose im Caritas-Gruppenraum der Wilhelmstraße 8 trafen, um die Konzeption für einen Offenen Treff für Gehörlose in Fulda zu überlegen. Wichtig war es den Beteiligten, das es einen Raum gibt, in dem Gehörlose zwanglos ihre Gebärdensprache pflegen können. Es sollte ein Raum gegen Isolation und Vereinsamung geschaffen werden. Eine Vereins- oder Religionszugehörigkeit sollte keine Rolle spielen. Die weitere Überlegung war es, das es in einer immer komplexeren Welt häufig schwer verständliche Informationen und Sachverhalte gibt. Diese sollten in Gebärdensprache vermittelt werden. Hörende, die sich in Gebärdensprache versuchen wollen, so zum Beispiel Teilnehmer aus den Gebärdensprachkursen, sollten ebenfalls willkommen sein. Also bereits viele Jahre vor der Diskussion um Inklusion (Teilhabe) war die Caritas auf dem richtigen Weg. Die Konzeption sollte schnell umgesetzt und mit Leben gefüllt werden. So entstand im Juni 1990 der erste "Offene Treff für Gehörlose in Fulda". Der Platz im Gruppenraum reichte nach kurzer Zeit nicht aus, so dass die Gruppe sich zunächst in der Caritas-Altentagesstätte Gambetta-Gasse und später in der Kanalstraße 1 trifft. Sonder-Veranstaltungen mit gut 60 Besuchern waren keine Seltenheit. Zum regelmäßigen Mittwochs-Treff kommen einmal im Monat ganz unterschiedlich zwischen 20 bis 40 "Gebärdensprachler". Nach langer Zeit - in denen die Teilnehmer gemeinsam alt wurden und einige mittlerweile verstorben sind - lässt sich sagen, dass die damalige Idee ein Erfolgskonzept war. Viele interessante Themen wurden besprochen und es wurde immer wieder eine schöne Zeit miteinander verbracht. Den Raum zu schaffen und zu gestalten war nicht immer eine einfache Aufgabe, die aber mit viel Engagement und Liebe gestaltet wurde.
vl: Stadtrat Herr Grauel, Geschäftsführer Herr Reuter, Frau Keitz, Herr Althaus, Frau Schäfer, Herr Plappert, Msgr v. Lüninck, Frau KrupinskiCaritas
Ganz besonderen Platz sollte an diesem Tag der Dank an die Ehrenamtlichen einnehmen. Von Anfang an dabei war Edith Keitz, die bereits vielfach von der Caritas für ihr Engagement ausgezeichnet wurde. Frau Helene Krupinski gehört ebenfalls zu dem festen Helferinnenstamm und wurde entsprechend ausgezeichnet. Frau Anna Schäfer, die das Amt von Frau Keitz übernommen hat und seitdem für einen reibungslosen Ablauf vom organisieren der Getränke, dem vorbereiten des Raumes bis zum aufräumen sorgt wurde mit der silbernen Ehrennadel des Caritasverbandes ebenso ausgezeichnet, genau wie der Kassierer - der ebenfalls überall mit Hand anlegt - Josef Plappert; beide sind unerlässliche Stützen für das Gelingen und die Kontinuität des Treffpunktes, "Leute, auf die man sich vollständig verlassen kann", so Althaus und Reuter. Desweiteren erhielt Werner Althaus vom Geschäftsführer ebenfalls einen Blumenstrauß als Dankeschön für die engagierte Arbeit im Mittwochs-Treff. Die Geehrten wurden darüberhinaus mit einer Chronik und einer speziellen Kaffeetasse, die für diesen Anlass angefertigt wurde beschenkt.
Stadtrat Stefan Grauel überbrachte die besten Wünsche, herzlichen Grüße und ein Geldgeschenk unseres scheidenden Oberbürgermeisters der Stadt Fulda Herrn Ge-rhard Möller. Herr Grauel dachte über die 5 Sinne des Menschen nach und kam zu dem Schluss, dass der Sinn "Hören" von den hier anwesenden Personen durch eine lebendige Gebärdensprache gut ausgeglichen wird. "Bei einer so frohen Runde", so Grauel, kommt einem nicht der Gedanke, dass die Menschen unglücklich über einen fehlenden Sinn sind.
Torte zur 25 Jahrfeier GehörlosentreffCaritas
Anschließend wurde bei vielen Gesprächen und guter Laune die eigens für diesen Anlass gestaltete Torte verspeist.